Nr. 61/2008 - 10.07.2008 - StatA MV - Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern
Das Statistische Amt hat heute in seiner Reihe der Statistischen Hefte den "Statistischen Jahresbericht 2007 - Entwicklungen in Mecklenburg-Vorpommern" veröffentlicht. Der seit 1994 herausgegebene Jahresbericht umfasst in dieser Ausgabe 115 Seiten und vermittelt einen Überblick über die im Jahr 2007 erzielten Hauptergebnisse der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung im Land (an einigen Stellen des Berichtes beziehen sie sich entsprechend der Datenlage auf das Jahr 2006, da Angaben für 2007 noch nicht vorlagen). Für ihre Bewertung wurden vergleichsweise die in den Vorjahren erzielten Entwicklungsergebnisse, aber auch Vergleiche mit den neuen und den alten Bundesländern sowie Deutschland herangezogen.
Mecklenburg-Vorpommern hat sich im Jahr 2007 in konjunktureller und wirtschaftsstruktureller Hinsicht weiter positiv entwickelt: Das Bruttoinlandsprodukt ist erneut deutlich gewachsen, nachdem die wirtschaftliche Gesamtentwicklung in den Jahren 2000 bis 2005 eher stagnierend war. Getragen wurde diese Entwicklung nicht nur durch das weiter überdurchschnittlich gewachsene Verarbeitende Gewerbe, sondern erstmals seit längerem wieder auch durch das Baugewerbe sowie durch die Mehrzahl der Dienstleistungsbranchen. Strukturbereinigend wirkte dagegen der weitere Abbau von Personalüberhängen im öffentlichen Dienst.
Das Bruttoinlandsprodukt, Indikator für die wirtschaftliche Gesamtleistung, ist im Jahr 2007 preisbereinigt um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 34,3 Milliarden EUR angestiegen. In den neuen Bundesländern (ohne Berlin) hat es sich um 2,2 Prozent und im Bundesdurchschnitt um 2,5 Prozent erhöht. Im Verarbeitenden Gewerbe wurde auf der Grundlage stark gestiegener Investitionen mit 16,5 Prozent die im Ländervergleich höchste Steigerung der Bruttowertschöpfung erreicht. Auch im Baugewerbe war, erstmals seit zehn Jahren wieder, ein Leistungsanstieg (+ 1,8 Prozent) zu verzeichnen. In der Landwirtschaft wurde bei Getreide 2007 eine weit unterdurchschnittliche Ernte erzielt. Die Viehbestände haben bei Rindern (+ 2,6 Prozent) und bei Schweinen (+ 3,6 Prozent) weiter deutlich zugenommen, die Milcherzeugung (+ 2,8 Prozent) war ebenfalls deutlich höher als 2006. Der vor allem vom Verarbeitenden Gewerbe sowie von der Landwirtschaft getragene Export hat sich 2007 um 17,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 4,6 Milliarden EUR erhöht, erreichte aber weiterhin nur einen Anteil von 0,4 Prozent am Bundesergebnis.
Im Dienstleistungsbereich lag die Wertschöpfungsentwicklung 2007 (+ 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr) unter dem Bundesdurchschnitt (+ 2,0 Prozent), wobei der Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr (+ 4,4 Prozent, Deutschland: + 2,1 Prozent) deutlich darüber lag. Die Tourismusentwicklung hat sich 2007 weiter deutlich belebt. Die Zahl der Übernachtungen in den Beherbergungsstätten nahm 2007 um 7,4 Prozent zu, auf den Campingplätzen ging sie um 0,8 Prozent zurück (zusammen: + 6,3 Prozent). Bei den öffentlichen und privaten Dienstleistern war ein leichter Rückgang der Bruttowertschöpfung zu verzeichnen (2007 zu 2006: - 0,7 Prozent).
Das Bruttoinlandsprodukt je geleistete Arbeitsstunde erreichte 2007 insgesamt erst 76,3 Prozent des gesamtdeutschen Durchschnitts. Das Bruttoinlandsprodukt hatte auch 2007 nur einen Anteil von 1,4 Prozent am Deutschlandergebnis (Bevölkerungsanteil: 2,1 Prozent). Mit Bruttoanlageinvestitionen von 7,6 Milliarden EUR, Konsumausgaben der privaten Haushalte von 21,9 Milliarden EUR und Konsumausgaben des Staates in Höhe von 8,9 Milliarden EUR war die Verwendung von Waren und Dienstleistungen im Jahr 2005 um 6,5 Milliarden EUR (= 20 Prozent) höher als das im Land erzeugte Bruttoinlandsprodukt (31,9 Milliarden EUR).
Das Existenzgründungsgeschehen im gewerblichen Bereich war 2007 durch einen Rückgang der Gewerbeanmeldungen (14 666; - 5,2 Prozent gegenüber 2006) gekennzeichnet. Die Gewerbeabmeldungen (13 480 Fälle) haben sich um 0,9 Prozent verringert. Die Anzahl der aktiven Unternehmen nahm um 4,3 Prozent auf 59 591 (u. a. ohne Landwirtschaft und öffentliche Verwaltung) zu. Die Unternehmensinsolvenzen haben sich 2007 weiter um 27,1 Prozent auf 490 (mit 2 542 betroffenen Arbeitnehmern zum Zeitpunkt der Antragstellung) stark verringert, die Insolvenzanfälligkeit der Unternehmen hat sich damit (9 Insolvenzen je 1 000 Unternehmen) dem Bundesdurchschnitt (ebenfalls 9) angeglichen. Schwerpunkt im Insolvenzgeschehen war auch 2007 das Baugewerbe mit 125 Insolvenzen.
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich 2007 weiter entspannt. Die Zahl der Erwerbstätigen, die ihren Arbeitsort in Mecklenburg-Vorpommern haben, nahm 2007 um 11 100 Personen auf 725 000 Erwerbstätige zu, aber über 100 000 Arbeitsplätze ermöglichen nur eine marginale Beschäftigung. Mit diesem Anstieg (+ 1,6 Prozent; neue Bundesländer: + 1,6 Prozent; Deutschland: + 1,7 Prozent) hat sich die seit dem Vorjahr wieder positive Entwicklung fortgesetzt, nur im öffentlichen Dienst (Personal 2007 ohne Bund: - 2,2 Prozent) war sie weiter rückläufig. Die Zahl der Selbstständigen und mithelfenden Familienangehörigen erhöhte sich 2007 um 1,3 Prozent auf 73 900 (neue Bundesländer: + 1,3 Prozent). Die Zahl der Arbeitslosen war 2007 mit 145 989 (davon: 48,5 Prozent Frauen) weiterhin sehr hoch. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 18,1 (SGB III: 5,5; SGB II: 12,6) Prozent (neue Bundesländer: 16,8 Prozent) und war mehr als doppelt so hoch wie in den alten Bundesländern mit 8,4 Prozent.
Die demografische Entwicklung war durch einen weiteren Bevölkerungsrückgang um 14 072 Personen oder 0,8 Prozent auf 1,680 Millionen Einwohner zum Jahresende 2007 gekennzeichnet. Maßgeblich dafür waren weitere Wanderungsverluste (- 9 279 Einwohner) und Geburtenausfälle. Die 2007 weiter gestiegenen Geburten (+ 1,2 Prozent; Vorjahr: + 2,8 Prozent) erreichten mit 7,6 Lebendgeborenen je 1 000 Einwohner erst wieder 55 Prozent des Niveaus von 1989. Die Zahl der Lebendgeborenen (12 786), war aber weiterhin beträchtlich geringer als die der Gestorbenen (17 595), sodass sich ein Geburtendefizit von 4 809 ergab.
Bei sprunghaft gestiegenen Verbraucherpreisen (2007: + 2,7 Prozent; Vorjahr: + 1,5 Prozent) haben sich die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer in der Wirtschaft insgesamt nur um 0,9 Prozent erhöht, wobei deutliche Unterschiede zwischen den Wirtschaftsbereichen bestanden (Verarbeitendes Gewerbe: + 1,5 Prozent, öffentliche und private Dienstleister: - 0,1 Prozent). Der gesamtwirtschaftliche Verdienstabstand zum Bundesdurchschnitt hat sich 2007 sogar etwas erhöht (76,7 Prozent Angleichung, Vorjahr: 77,1 Prozent).
Der Einzelhandelsumsatz ging 2007 weiter real (preisbereinigt) um 3,5 Prozent zurück, stärker als im Bundesdurchschnitt (- 2,2 Prozent).
Die Zahl der im Land fertig gestellten Wohnungen war 2007 mit 4 537 zwar deutlich geringer als im Vorjahr, lag aber mit 27 Wohnungen je 10 000 Einwohner noch über dem Bundesdurchschnitt (26). Wesentlichen Anteil an diesem hohen Niveau des Wohnungsbaus hat die nach wie vor starke Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhäusern (2 143 bzw. 380 Fertigstellungen), die auch 2007 über die Hälfte des Hochbauvolumens ausmachten. Die im Jahr 2007 fertig gestellten 332 neuen Nichtwohngebäude (u. a. Betriebs‑, Büro- und Anstaltsgebäude) hatten ein Bauvolumen von 208 Millionen EUR (veranschlagte Kosten: - 18,7 Prozent zum Vorjahr), das waren 35,1 Prozent des gesamten Hochbauvolumens.
Der baugewerbliche Umsatz des Bauhauptgewerbes hat sich 2007 um 2,5 Prozent gegenüber 2006 erhöht, darunter im öffentlichen und Straßenbau (Umsatzanteil: 34,6 Prozent) um 15,3 Prozent. Die Auftragseingänge haben insgesamt um 2,7 Prozent zugenommen.
Die Leistungen des öffentlichen Dienstes wurden im Jahr 2007 von 78 269 Mitarbeitern (Jahresmitte ohne Bund), erbracht, 1 735 Mitarbeitern weniger als im Vorjahr, gegenüber 2000 betrug der Rückgang 21,0 Prozent. Der Personalbestand hat sich damit einwohnerbezogen bereits weitgehend der "Personaldichte" in Westdeutschland angenähert.
Im Gesundheitswesen ist die Zahl der Patienten im Jahr 2006 (aktuellere Angaben liegen nicht vor) in den Krankenhäusern (vollstationär: 386 969) und in den Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen (116 945) um jeweils 0,9 Prozent angestiegen.
Die Zahl der Empfänger von laufender (Sozial-)Hilfe zum Lebensunterhalt hat sich von 7 659 im Jahr 2005 auf 8 235 im Jahr 2006 erhöht; grundsätzlich erwerbsfähige Personen erhalten bei Bedürftigkeit insbesondere Leistungen zur Grundsicherung in Form von so genanntem Arbeitslosengeld II (219 395 Leistungsempfänger), 60 738 nichterwerbsfähige Personen (darunter: 58 502 Kinder) hatten nach SGB II Anspruch auf Sozialgeld. Die Zahl der Wohngeldempfänger ist von 36 932 Haushalten in 2005 auf 30 632 im Jahr 2006 zurückgegangen, das waren 2006 3,7 Prozent aller Privathaushalte (Bundesdurchschnitt: 1,7 Prozent). Die Anzahl der Asylbewerber und gleichgestellter Personen belief sich 2006 auf 3 588.
An den 608 allgemein bildenden Schulen hat sich die Schülerzahl im Schuljahr 2007/08 um weitere 5,3 Prozent verringert, gegenüber dem Jahr 1991 betrug der Rückgang infolge der Halbierung der Geburten nach der Wende 52,2 Prozent, darunter an den Grundschulen 57,6 Prozent. Entsprechend verringerte sich auch die Zahl der Lehrkräfte sowie der Schulen.
An den 67 beruflichen Schulen ist die Zahl der Schüler im Schuljahr 2007/08 mit 63 337 um 5,3 Prozent geringer als im Vorjahr. Von ihnen lernen 65,8 Prozent an den Berufsschulen des dualen Systems (Bundesdurchschnitt 2006: 59,8 Prozent). Die Zahl der Auszubildenden ist mit 43 402 nahezu stabil (- 0,1 Prozent). Die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge ging 2007 um 0,9 Prozent auf 16 127 leicht zurück.
An den Hochschulen des Landes ist die Zahl der Studierenden im Wintersemester 2007/08 mit 35 930 wieder angestiegen (+ 3,6 Prozent), die Anzahl der Studienanfänger hat um 7,1 Prozent weiter zugenommen (2005/06: - 13,0 Prozent). Im Vergleich zu 1991 hat sich die Zahl der Studierenden auf das 2,6fache erhöht und ist einwohnerbezogen inzwischen deutlich höher als in Schleswig-Holstein. Seit dem Prüfungsjahr 1992 wurden bis 2006 42 000 Abschlussprüfungen (2006: 4 418; Vorjahr: 4 273) erfolgreich abgelegt.
In der Rechtspflege ist die Zahl der erledigten Verfahren in der 1. Instanz auch 2007 weiter zurückgegangen, darunter bei Strafverfahren um 3,5 Prozent gegenüber 2006, bei Zivilprozesssachen um 11,4 Prozent. Bei den Sozialgerichten gab es 2007 7 569 Klageverfahren.
Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte (Kreditmarktschulden) hat sich 2007 insgesamt verringert, je Einwohner bei den Staatsfinanzen um 5,4 Prozent auf 5 971 EUR (zum Vergleich Schleswig-Holstein 2006: 7 830 EUR), bei den Kommunalfinanzen (Kernhaushalte) stieg sie leicht um 0,4 Prozent auf 1 324 EUR je Einwohner (Schleswig-Holstein 2005: 853 EUR) an. Die Kreditmarktschulden des Landes sowie der Gemeinden und Gemeindeverbände in Höhe von zusammen 12,3 Milliarden EUR entsprachen 2007 35,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Mecklenburg-Vorpommerns.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Herrn Hans-Peter Hasche, Telefon 0385 4801-4430.
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