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Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern



Über 150 Jahre amtliche Statistik in Mecklenburg-Vorpommern

Historischer Abriss - Fortsetzung

Von den speziell für Pommern herausgegebenen Veröffentlichungen sind hervorzuheben:

Verein für Pommersche Statistik

  • ein 1820 erschienenes „Hand- und Taschenbuch von Pommern“
  • ein 1843 bis 1846 erschienenes Jahrbuch von Pommern
  • eine 1846 erarbeitete Spezialstatistik von Neuvorpommern und Rügen vom Direktor der landwirtschaftlichen Akademie in Eldena, Professor Baumstark
  • Ab 1853 gab der Verein für Pommersche Statistik „Beiträge zur Kunde Pommerns“ heraus.
  • ein Pommersches Provinzial-Jahrbuch 1856 (nach dem Muster des in Berlin erscheinenden Staatskalenders), das die wichtigsten statistischen Angaben, insbesondere Bevölkerungs- und Gewerbetabellen, für jeden Regierungsbezirk und Kreis enthielt
  • 1865 veröffentlichte der Regierungspräsident des Regierungsbezirkes Stralsund „Beiträge zur Kunde Neuvorpommerns und Rügens“
  • 1886 erfolgte die Ausgabe des ersten Jahrbuches der Provinz Pommern

Pommersche Statistik - Veröffentlichungen

1861 wurde in Preußen eine statistische Zentralkommission zur besseren Organisation der amtlichen Statistik gebildet. Angestrebt wurde, dass „in jeder Provinz, in jedem Regierungsbezirk, in jedem landrätlichen Kreis, in jeder Stadt ein für die Statistik bestimmtes amtliches Organ vorhanden sein (müsste), das eben als Glied eines Ganzen und nicht auf eigene Faust Statistik betreibt.“ 8)


Etappen der Statistikentwicklung

Die Entwicklung der amtlichen Statistik in Mecklenburg und Vorpommern kann unter inhaltlichen Aspekten in sechs Etappen unterteilt werden: 9)

  1851 bis 1870 amtliche Landesstatistik bis zur Gründung des Deutschen Reiches
  1871 bis 1918 amtliche Statistik des Deutschen Reiches und der Länder
  1919 bis 1933 amtliche Statistik der Weimarer Republik und ihrer Länder
  1933 bis 1945 amtliche Statistik im faschistischen Deutschland
  1945 bis 1990 staatliche Statistik in der SBZ bzw. der DDR
  ab 3.10.1990 amtliche Statistik der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Bundesländer

Die Entwicklung des Programms der amtlichen Statistik wurde von den sich wandelnden und erweiternden Verwaltungsbedürfnissen bestimmt, die wiederum vom Staats- und Wirtschaftssystem abhängig waren, das in den einzelnen Zeitabschnitten die Akzente verschieden setzte und damit letztlich das Gesicht der Statistik bestimmte. Einen zunehmenden Einfluss hatten die Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften auf die Wirtschaftspolitik und damit auf das statistische Programm, das zunehmend der Wirtschaftsbeobachtung dienstbar gemacht wurde. Dabei führte der Weg - über die Zeit betrachtet - von der Einzelstatistik zur Gesamtschau wirtschaftlicher, sozialer und gesellschaftlicher Zusammenhänge. 10)

Die Anfänge der amtlichen Statistik in Mecklenburg waren einerseits durch landesspezifische Fragestellungen, andererseits aber auch durch länderübergreifende statistische Aktivitäten des Deutschen Zollvereins (ab 1834) bestimmt, insbesondere auf den Gebieten des Außenhandels sowie den in dreijährigem Abstand durchgeführten Volkszählungen. Die Ergebnisse der Erhebungen wurden in tabellarischen und analytischen Beiträgen zunächst im Archiv für Landeskunde und ab 1858 in den Beiträgen zur Statistik Mecklenburgs veröffentlicht. Im Mittelpunkt der Veröffentlichungen standen zunächst topografische, meteorologische, land- und forstwirtschaftliche, bevölkerungsstatistische (u. a. Auswanderung), außenhandelsstatistische (z. B. Kornausfuhr) und schulstatistische (z. B. Grad der Schulbildung beim Militärpersonal) Fragestellungen.


Zunehmende Vereinheitlichung des Statistikprogramms unter Federführung des Reichsamtes

Aufgrund der als unzulänglich empfundenen Arbeiten des Zollvereins im Bereich der Statistik entwickelte die Kommission zur weiteren Ausbildung der Statistik des Zollvereins in den Jahren 1870 und 1871 ein Programm, das zur Grundlage für die Planung der amtlichen Statistik des jungen Deutschen Reiches wurde. Mit der Gründung des Deutschen Reiches wurde 1872 das Kaiserliche Statistische Amt errichtet, das die statistischen Aufgaben des Centralbureaus des Zollvereins übernahm und dem, zum Teil erst im Laufe der Jahre, zusätzliche Aufgaben auf dem Gebiet der Bevölkerungsstatistik, der industriellen Produktionsstatistik und im Zusammenhang mit der Sozialgesetzgebung zuwuchsen. Eine wichtige Aufgabe war die Koordinierung und Vereinheitlichung der Länderstatistiken. Die Konferenz der Reichs- und Landesstatistiker forcierte diesen Prozess. Immer stärker wurden durch Reichsgesetze und Bundesratsbeschlüsse landesspezifische durch vereinheitlichte Erhebungen abgelöst.

Es wurde unterschieden zwischen der zentralen, der föderierten und der partikularen Statistik. Es galt der Grundsatz, dass Statistiken aufgrund von Reichsgesetzen zentral im Statistischen Reichsamt bearbeitet wurden, während die föderierten Statistiken diejenigen waren, die zwar von den Einzelstaaten, aber nach gemeinsamen Grundsätzen und gleichartigen Formularen zu erheben und an die Reichsbehörde vorzulegen waren. Zur föderierten Statistik zählten die gesamte Bevölkerungsstatistik, also die Volkszählungen, später die Berufs- und Betriebszählungen in der Landwirtschaft und im Gewerbe sowie die sich allmählich erweiternden Agrarstatistiken und Statistiken über den inneren Verkehr und Handel.

Partikulare Statistiken waren anfänglich jene, welche in den einzelnen Bundesstaaten nach freiem Ermessen und ohne Beziehung zum Reich ausgeführt wurden, hierzu zählten die administrative und die Kulturstatistik. Auch diese Statistiken wurden im Zuge der historischen Entwicklung weitgehend vereinheitlicht. 11)


Erstes Statistisches Handbuch für Mecklenburg - Schwerin

„Die vom Deutschen Reiche angeordneten großen statistischen Erhebungen der letzten Jahre“ waren dem Großherzoglichen Statistischen Amt Anlass, wie es im Vorwort heißt, 1898 die 1. Ausgabe eines Statistischen Handbuches für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin herauszugeben, dessen Inhalt (276 Seiten) anschaulich das damalige Programm der amtlichen Statistik in seiner Anwendung auf das Agrarland Mecklenburg widerspiegelt.


Schon breites Statistikprogramm um 1900

Nach geografisch-statistischen Beschreibungen (zirka 30 Seiten) und den Witterungsverhältnissen (14 Seiten) werden ausführlich dargestellt: Stand und Bewegung der Bevölkerung (26 Seiten), Berufstätigkeit der Bevölkerung (46 Seiten), Land- und Forstwirtschaft, Gärtnerei und Viehzucht (22 Seiten), Gewerbe und Handel (43 Seiten), Verkehrsmittel und Verkehr (15 Seiten), Versicherungswesen (15 Seiten), Öffentliche Armenpflege (5 Seiten), Finanzwesen (4 Seiten), Rechtspflege (22 Seiten), Gesundheitspflege (14 Seiten), Kirchenwesen (2 Seiten), Unterrichtswesen (11 Seiten) sowie Reichstagswahlen (2 Seiten), (siehe auch Reprint „Historische Statistiken 1851 - 1946 für Mecklenburg-Vorpommern“).

Eine zweite, vermehrte, über 400 Seiten umfassende Ausgabe des Statistischen Handbuches erschien 1910. Sie enthält vor allem die Ergebnisse der großen Be-rufs- und Betriebszählung des Jahres 1907. Erweitert wurden auch die Darstellungen zur Bevölkerung, zur Landwirtschaft, zum Finanzwesen sowie zum Unterrichtswesen.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges traten einschneidende Veränderungen in der amtlichen Statistik ein, regelmäßig durchgeführte Statistiken wurden eingeschränkt und kriegswichtige neue eingeführt.


Weimarer Republik: Weiterentwicklung des Statistikprogramms durch Finanz- und Steuerstatistiken

Die Schaffung einer einheitlichen Reichsfinanzverwaltung nach dem Ersten Weltkrieg führte zum Aufbau einer umfangreichen Statistik der öffentlichen Finanzen aller Gebietskörperschaften und zur Erweiterung der Steuerstatistik. Im Zusammenhang mit den Reparationsverhandlungen wurde eine Volkseinkommensrechnung entwickelt. Das nach Novemberrevolution und Abdankung des Kaisers jetzt Mecklenburg-Schwerinsche Statistische Landesamt gab ab 1925 vierteljährlich die Statistischen Nachrichten des Landes Mecklenburg-Schwerin heraus. Die bis dahin letzte Ausgabe der „Beiträge zur Statistik Mecklenburgs“ war 1912 erschienen, geplante größere Arbeiten waren durch den Krieg verhindert worden und die schnelle Wiederaufnahme der Veröffentlichungen danach war an Mittelknappheit gescheitert.

Während sich die „Beiträge zur Statistik Mecklenburgs“ auf die Bekanntgabe der Ergebnisse großer Zählungen beschränkten und somit nur einen kleinen Interessentenkreis ansprachen, sollte mit den „Statistischen Nachrichten“ ein Veröffentlichungsorgan geschaffen werden, mit dem auch das im Laufe des Jahres gewonnene statistische „Kleinmaterial“ einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Die „Beiträge zur Statistik Mecklenburgs“ sollten auch künftig der Publizierung von Ergebnissen großer Zählungen vorbehalten bleiben.


Letztmalig 1931: Statistisches Handbuch für Mecklenburg - Schwerin

Im Jahr 1931 wurde in der 3. Ausgabe letztmalig das Statistische Handbuch für das Land Mecklenburg-Schwerin veröffentlicht, das die Entwicklung des Landes in der Weimarer Republik widerspiegelt. Land- und Forstwirtschaft (35 Seiten) und Gewerbe (21 Seiten) machten allein zwei Fünftel des 143 Seiten umfassenden Zahlenwerkes aus (siehe auch Reprint „Historische Statistiken 1851 - 1946 für Mecklenburg-Vorpommern“).


Letztes Staatshandbuch für Mecklenburg 1939

Die Aufhebung der Länderhoheit im Dritten Reich unter der nationalsozialistischen Reichsregierung führte schon 1933 zu einer stärkeren Verlagerung der statistischen Arbeiten von den Ländern auf das Reich. Im Zuge der zunehmenden Bewirtschaftung und der Kriegswirtschaft „sollten jetzt die Einzelangaben für Verwaltung und Bewirtschaftung, die Zuteilungen und Genehmigungen an den n einzelnen Betrieb und der Kontrolle seiner Leistungen dienstbar gemacht werden“. 12) Das letzte Staatshandbuch für Mecklenburg mit einem 51 Seiten umfassenden Statistikkapitel erschien 1939, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg.


Aufbau einer neuen amtlichen Statistik in der sowjetischen Besatzungszone

Nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands und der Bildung von Besatzungszonen übernahm die Sowjetische Militäradministration (SMAD) die gesamte Verwaltung in Ostdeutschland. In ihr war auch das Statistische Büro der SMAD 
etabliert, das für den Aufbau einer neuen amtlichen Statistik verantwortlich war. Mit dem SMAD-Befehl Nr. 105 vom 19. Oktober 1945 wurde die Bildung der Deutschen Verwaltung für Statistik in der sowjetischen Besatzungszone (Statistisches Zentralamt) angeordnet. Gleichzeitig entstanden in den einzelnen Ländern zum Teil die alten statistischen Landesämter der Vorkriegszeit wieder 13), die sich am früheren Aufbau orientierten. In der Landesverwaltung des neu entstandenen Mecklenburg-Vorpommern wurde das Ressort Statistik zunächst der Inneren Verwaltung zugeordnet, ab Ende September 1945 aber unter Aufsicht der Präsidialabteilung gestellt. Bis zu seiner Ausgliederung aus der Struktur der Landesregierung lag das Statistikressort im unmittelbaren Verantwortungsbereich des Präsidenten der Landesverwaltung bzw. des Ministerpräsidenten.


Neue statistische Landes- und Kreisämter

Im Jahr 1947 hatte das Ressort Statistik 5 Abteilungen

  1. Verwaltung und Personal
  2. Bevölkerungsstatistik einschließlich Medizinstatistik,
  3. Landwirtschaftsstatistik,
  4. Wirtschaftsstatistik,
  5. Politische Statistik, Bevölkerungsstatistik, Schnellstatistik, statistischer Informationsdienst.

Der Aufbau statistischer Referate in den Kreisverwaltungen ab 1946 führte im Weiteren zur Herausbildung von Kreisämtern, später Kreisstellen für Statistik, die vor allem für Versand und Einzug der Berichtsunterlagen zuständig waren, aber auch Kreisergebnisse herausgaben. Die Landesämter waren bis 1950 Organe der Landesregierung, unterlagen also nicht der direkten Weisungsbefugnis des Statistischen Zentralamtes. Sie bestanden bis zur Verwaltungsreform und Auflösung der Länder (1952) in der 1949 gegründeten DDR. Die damit entstandene Teilung Deutschlands bedeutete auch für die deutsche amtliche Statistik endgültig eine getrennte Entwicklung.

Mit der Verordnung zur Neuorganisation des Statistischen Dienstes vom 16. Februar 1950 wurde ein zentralistisch-statistisches Organ geschaffen. Die statistischen Landes- und Kreisämter wurden aus den Landes- und Kreisverwaltungen herausgelöst und dem Statistischen Zentralamt direkt unterstellt.


Bezirks- und Kreisstellen im zentralisierten DDR - Statistikapparat

Das Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in den Ländern der Deutschen Demokratischen Republik vom 23. Juli 1952 bestimmte die Auflösung der Länder und bisherigen Kreise. Mit 14 Bezirken und Berlin sowie 217 Kreisen (zuvor 140) wurde eine zentralisierte DDR-Verwaltung geschaffen, deren Struktur so bis 1990 existierte. Damit wurden auch die statistischen Landesämter aufgelöst und durch Bezirksstellen ersetzt. Zugleich erhöhte sich die Zahl der Kreisstellen wesentlich. Inhaltlich wurde die nunmehr zentralistisch organisierte Statistik auf die Erfordernisse der in der DDR entstehenden staatlichen Planwirtschaft ausgerichtet.

Schon mit der Einführung erster Elemente einer zentralisierten Planwirtschaft vor Gründung der DDR waren an die Stelle einmaliger Zensen periodische Erhebungen und laufende Berichterstattungen (vierteljährliche Viehzählungen, monatliche Industrieberichterstattungen) getreten, waren unter dem Einfluss des sowjetischen Statistikmodells Grundlagen für eine zentralisierte Statistik gelegt worden. Die Staatliche Zentralverwaltung für Statistik erhielt auch die Weisungsbefugnis gegenüber sämtlichen Statistiken, die in Ministerien und Verwaltungen als fachliche Statistiken durchgeführt wurden, womit die Grundlage für den Aufbau eines alle Bereiche übergreifenden geschlossenen Statistiksystem gegeben war.


Plankontrolle war Hauptaufgabe der DDR-Statistik

Unter den im Statut der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik vom 16.10.1958 festgelegten Kernaufgaben war an erster Stelle genannt: „Statistische Kontrolle über die Erfüllung der Volkswirtschaftspläne in allen ihren Teilen. Ausführung von statistischen Arbeiten über die Abrechnung der Pläne hinaus, die die Darstellung der gesellschaftlichen Entwicklung ermöglichen, und Durchführung der dazu notwendigen Zählungen und Erhebungen. Übergabe der statistischen Unterlagen für die Ausarbeitung der Pläne, die Leitung der Volkswirtschaft und die Plankontrolle an die Staatliche Plankommission und andere staatliche Organe.“ Diese Aufgabe galt, soweit sie die Bereitstellung von statistischen Daten für die Plankontrolle betraf, auch für die Bezirks- und Kreisstellen. In monatlichen und jährlichen Berichten wurden die „Partei- und Staatsorgane“ auf zentraler sowie Bezirks- und Kreisebene über die Erfüllung des Volkswirtschaftsplanes in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich informiert.


Fehlende Öffentlichkeit der DDR-Statistik 

Diese nicht für die Öffentlichkeit bestimmten, als vertraulich eingestuften Informationsberichte enthielten neben detaillierten Zahlenübersichten fachlich-analytische Einschätzungen, die mit betriebsbezogenen Angaben Schwerpunkte und Probleme der Plandurchführung aufzeigten. Die Information der Öffentlichkeit erfolgt halbjährlich in der zentralen und örtlichen Presse in „Mitteilungen über die Erfüllung des Volkswirtschaftsplanes“, in thematischen Presseinformationen und in Hochglanzbroschüren über die „Erfolge beim sozialistischen Aufbau“ anlässlich der Parteitage der SED. Die zunächst auch auf Bezirksebene erfolgte Herausgabe von Statistischen Jahrbüchern wurde im Zuge der sich verschärfenden Wirtschaftsprobleme der DDR Anfang der achtziger Jahre eingestellt, sodass die Bezirksübersichten im Statistischen Jahrbuch der DDR einzige amtliche Quelle für Regionalstatistiken waren.

In den 3 Bezirksstellen Rostock, Schwerin und Neubrandenburg und den 37 Kreisstellen waren im Jahr 1989 etwa 470 Mitarbeiter beschäftigt. Eine strukturelle Besonderheit der DDR-Statistikämter bestand darin, dass es für die Analysentätigkeit einen eigenständigen Bereich Analyse gab, dem die analytische Auswertung des durch den Bereich Information und Datenverarbeitung bereitgestellten Zahlenmaterials oblag. Dieser umfasste in den Bezirksstellen die Abteilungen Planung und Kontrolle; Industrie; Bau, Verkehr, Investitionen, Grundmittel; Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft; Arbeits- und Lebensbedingungen, die ihre jeweilige Entsprechung in Personalstellen des Analysebereichs hatten. Eine Sonderstellung hatte das Bezirkszählbüro, dass für Großzählungen und Bevölkerungsstatistik verantwortlich war.


Wiedervereinigung und Neuanfang

Die Unfähigkeit zu politischen Reformen und gesellschaftlichem Wandel, die daraus resultierende Unzufriedenheit der Bevölkerung (fehlende individuelle Freiheit, Mangelwirtschaft) und zunehmende ökonomische Schwierigkeiten führten 1989 durch eine friedliche Revolution zum Zusammenbruch des sozialistischen Systems in der DDR und im Ergebnis der ersten freien Volkskammerwahlen im März 1990 zur Wiederherstellung der deutschen Einheit durch den Beitritt der heutigen Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zur Bundesrepublik Deutschland am 3.10.1990.

Mit der Übernahme des politischen, wirtschaftlichen, sozialen sowie des Rechts- und Verwaltungssystems der Bundesrepublik Deutschland wurde auch die Bundesstatistik in den „neuen Ländern“ übernommen. Da es nicht möglich war, schlagartig alle Bundesstatistiken einzuführen, und die neuen Verwaltungsstrukturen erst schrittweise aufgebaut werden konnten, wurde für die Statistik als Übergangslösung zunächst das „Gemeinsame Statistische Amt“ (GeStaL) der neuen Bundesländer geschaffen, dessen Existenz jedoch laut Einigungsvertrag befristet war. Auf der Grundlage der Statistikanpassungsverordnung wurden bis Ende 1991 unter seiner Federführung die ersten Bundesstatistiken eingeführt, eine Reihe zusätzlicher Erhebungen im Beitrittsgebiet durchgeführt und das Auslaufen noch benötigter DDR-Statistiken gesichert, die für die Beurteilung der sich im Zuge der Transformation schnell ändernden wirtschaftlichen und sozialen Lage unverzichtbar waren.


Aufbau der Bundesstatistik

Parallel dazu erfolgte in den neuen Bundesländern der Aufbau statistischer Landesämter und die schrittweise Einführung der Bundesstatistik. Dabei ist vor allem die tatkräftige materielle und personelle Unterstützung aus den alten Bundesländern, für Mecklenburg-Vorpommern insbesondere von den Landesämtern in Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen hervorzuheben, zu denen schon gleich nach der Wende der Kontakt hergestellt worden war.


Erstes Statistisches Landesamt der neuen Länder in Mecklenburg - Vorpommern

Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern hatte als erste in den neuen Bundesländern bereits im Dezember 1990 (Erlass der Landesregierung vom 20.12.1990) die Bildung eines Statistischen Landesamtes Mecklenburg-Vorpommern als Landesoberbehörde im Geschäftsbereich des Innenministers beschlossen. Die bisherigen 3 Bezirksämter und 37 Kreisämter wurden aufgelöst und strukturell sowie personell zu einem Landesamt mit Sitz in Schwerin zusammen-geführt. Dieser Prozess war Ende 1991 abgeschlossen. Die Zahl der Mitarbeiter wurde schrittweise von 470 auf 250 fast halbiert. Die Einführung des vollständigen Programms der Bundesstatistik konnte im Wesentlichen bis 1994 abgeschlossen werden.

Im Februar 1992 erschienen das erste Statistische Jahrbuch für Mecklenburg-Vorpommern und erste Statistische Monatshefte in der Nachwendestruktur. Die Herausgabe Statistischer Berichte und Presseinformationen über die Ergebnisse der neuen Erhebungen hatte schon Anfang 1991 begonnen.

In das Zentrum der Informationsarbeit war nun eine Öffentlichkeitsarbeit gerückt, die die umfassende Information der breiten Öffentlichkeit sicherstellte. Mit dem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland hatten sich in den neuen Bundesländern nicht nur die Inhalte, sondern auch der gesetzliche Auftrag und die Rahmenbedingungen für die Arbeit der staatlichen amtlichen Statistik im Vergleich zur DDR-Zeit grundlegend geändert.

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1) hier und im Weiteren: Das Arbeitsgebiet der Bundesstatistik, Statistisches Bundesamt, Ausgabe 1997, S. 13 ff.
2) hier und im Weiteren: Fischer, Göttner, Krog: Was ist, was kann Statistik?, Urania-Verlag Leipzig-Jena-Berlin 1975, S. 9 ff.
3) Regierungsblatt Nr. 29 für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Jahrgang 1851, II. Abteilung
4)Gerold Richter, Kulturlandschaft und Wirtschaft, in: Mecklenburg-Vorpommern, Historische Landeskunde Mitteldeutschlands, Verlag -Weidlich (Lizenzausgabe Weltbildverlag, Augsburg 1995), S. 135 ff. (ISBN 3-89350-0)
5) Beiträge zur Statistik Mecklenburgs, Dritter Band, erstes Heft, 1863
6) ebenda, Siebenter Band, erstes und zweites Heft, 1873
7) Regierungsblatt Nr. 3 für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Jahrgang 1885
8) Dr. Engel, Direktor des Königlichen Preußischen statistischen Bureaus: „Über die neuesten Fortschritte in der Organisation der amtlichen Statistik in Preußen“, Zeitschrift des Büros, Separatabdruck aus den Nummern 7 und 8 (II. Jahrgang), 1861
9) vgl. Dr. Fischer, Peter: Statistisches Landesamt Sachsen, in: Statistik in Sachsen, 1. Jahrgang 5/95, S. 2
10) siehe hierzu: Fürst G.: „100 Jahre Reichs- und Bundesstatistik“ in: Allgemeines Statistisches Archiv, 1972, S. 337 f.
11) ebenda, S. 348 ff.
12) Fürst, G: „Bevölkerung und Wirtschaft 1872 - 1972, herausgegeben anlässlich des 100-jährigen Bestehens der zentralen amtlichen Statistik“, Stuttgart, Mainz 1972, S. 43 (Herausgeber: Statistisches Bundesamt).
13) DDR-Statistik: Grundlagen, Methoden und Organisation der amtlichen Statistik der DDR 1949 bis 1990, in: Sonderreihe mit Beiträgen für das Gebiet der ehemaligen DDR, Heft 34 (Herausgeber: Statistisches Bundesamt, 1999; Arbeitsunterlage)

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