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Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern




Pressemeldung

Statistischer Jahresbericht 2006 veröffentlicht

Nr. 57/2007 - 29.06.2007 - StatA MV - Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern

Das Statistische Amt hat heute in seiner Reihe der Statistischen Hefte den "Statistischen Jahresbericht 2006 - Entwicklungen in Mecklenburg-Vorpommern" veröffentlicht. Der seit 1994 herausgegebene Jahresbericht umfasst in dieser Ausgabe 106 Seiten und vermittelt einen Überblick über die im Jahr 2006 erzielten Hauptergebnisse der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung im Land (an einigen Stellen des Berichtes beziehen sie sich entsprechend der Datenlage auf das Jahr 2005, da Angaben für 2006 noch nicht vorlagen). Für ihre Bewertung wurden vergleichsweise die in den Vorjahren erzielten Entwicklungsergebnisse, aber auch Vergleiche mit den neuen und den alten Bundesländern sowie Deutschland herangezogen.

Mecklenburg-Vorpommern hat sich im Jahr 2006 in konjunktureller und wirtschaftsstruktureller Hinsicht positiv entwickelt: Das Bruttoinlandsprodukt ist erstmals wieder deutlich gewachsen, nachdem die wirtschaftliche Gesamtentwicklung in den letzten Jahren stagnierend bzw. zuletzt sogar rückläufig war. Getragen wurde diese Entwicklung durch das weiter überdurchschnittlich gewachsene Verarbeitende Gewerbe und den weiteren Abbau von Überkapazitäten im Baugewerbe sowie von Personalüberhängen im öffentlichen Dienst. Diese Strukturbereinigung sowie das geringe Gewicht des Verarbeitenden Gewerbes und die nur mäßige Entwicklung der privaten Hauptbereiche des Dienstleistungssektors sind maßgeblich dafür, dass die Gesamtwirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns 2006 in etwas geringerem Maße gewachsen ist als in den neuen Ländern insgesamt und im früheren Bundesgebiet.

Das Bruttoinlandsprodukt, Indikator für die wirtschaftliche Gesamtleistung, ist im Jahr 2006 preisbereinigt um 2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 32,5 Milliarden EUR angestiegen. In den neuen Bundesländern (ohne Berlin) hat es sich aber um 3,0 Prozent und im Bundesdurchschnitt um 2,7 Prozent erhöht. Damit setzte sich die seit dem Jahr 2000 stagnierende bzw. zuletzt rückläufige Entwicklung (Ausnahme: 2004 gegenüber 2003: + 1,4 Prozent) nicht weiter fort (2005 gegenüber 1999: + 1,5 Prozent). Im Verarbeitenden Gewerbe wurde mit 11,0 Prozent wieder eine überdurchschnittliche Steigerung der Bruttowertschöpfung erreicht, die aber z. B. in Sachsen mit 14,1 Prozent noch höher war. Demgegenüber war im Baugewerbe (‑ 3,4 Prozent) ein weiterer Rückgang zu verzeichnen. In der Landwirtschaft wurde bei Getreide und Ölfrüchten 2006 wieder eine durchschnittliche Ernte erzielt. Die Viehbestände haben bei Rindern leicht (+ 1 Prozent), bei Schweinen (+ 9 Prozent) jedoch stark zugenommen, die Milcherzeugung (‑ 0,9 Prozent) war dagegen leicht rückläufig.

Der vor allem vom Verarbeitenden Gewerbe sowie von der Landwirtschaft getragene Export hat sich 2006 um 30,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,8 Milliarden EUR erhöht, erreichte aber weiterhin nur einen Anteil von 0,4 Prozent am Bundesergebnis.

In den Dienstleistungsbereichen Handel, Gastgewerbe und Verkehr (+ 3,5 Prozent) sowie Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister (+ 1,6 Prozent) war das Wachstum der Bruttowertschöpfung wesentlich geringer als in der Industrie, bei den öffentlichen und privaten Dienstleistern war es weiter stagnierend. Die Tourismusentwicklung hat sich 2006 wieder etwas belebt. Die Zahl der Übernachtungen in den Beherbergungsstätten nahm 2006 um 0,9 Prozent und auf den Campingplätzen um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu (zusammen: + 1,1 Prozent).

Das Bruttoinlandsprodukt je geleistete Arbeitsstunde erreichte 2006 insgesamt erst 74,3 Prozent des gesamtdeutschen Durchschnitts. Das Bruttoinlandsprodukt hatte auch 2006 nur einen Anteil von 1,4 Prozent am Deutschlandergebnis (Bevölkerungsanteil: 2,1 Prozent).

Das Existenzgründungsgeschehen im gewerblichen Bereich war 2006 durch einen Rückgang der Gewerbeanmeldungen (15 465; ‑ 10,1 Prozent gegenüber 2005) gekennzeichnet. Die Gewerbeabmeldungen (13 359 Fälle) haben sich um 5,8 Prozent verringert. Die Anzahl der aktiven Unternehmen nahm um 2,4 Prozent auf 56 591 (u. a. ohne Landwirtschaft und Öffentliche Verwaltung) zu. Die Unternehmensinsolvenzen haben sich 2006 weiter um 29,1 Prozent auf 672 (mit 2 649 betroffenen Arbeitnehmern zum Zeitpunkt der Antragstellung) verringert, die Insolvenzanfälligkeit der Unternehmen war jedoch weiterhin überdurchschnittlich (13 Insolvenzen je 1 000 Unternehmen gegenüber 10 im Bundesdurchschnitt). Schwerpunkt im Insolvenzgeschehen war auch 2006 das Baugewerbe mit 180 Insolvenzen.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich 2006 etwas entspannt. Die Zahl der Erwerbstätigen, die ihren Arbeitsort in Mecklenburg-Vorpommern haben, nahm 2006 um 3 300 Personen auf 710 900 Erwerbstätige zu. Mit diesem Anstieg (+ 0,5 Prozent; neue Bundesländer: + 0,5 Prozent; Deutschland: + 0,7 Prozent) wurde die seit dem Jahr 2000 rückläufige Entwicklung erstmals unterbrochen, im Baugewerbe (‑ 2,0 Prozent) und im öffentlichen Dienst (Personal 2006 ohne Bund: ‑ 3,8 Prozent) hat sie sich jedoch fortgesetzt. Die Zahl der Selbstständigen erhöhte sich 2006 um 0,5 Prozent (neue Bundesländer: + 0,7 Prozent). Die Zahl der Arbeitslosen war 2006 mit 167 909 (davon 47,4 Prozent Frauen) weiterhin sehr hoch, darunter waren mehr als 34,2 Prozent Langzeitarbeitslose. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 20,8 Prozent (neue Bundesländer: 19,2 Prozent) und war doppelt so hoch wie in den alten Bundesländern mit 10,2 Prozent.

Die demographische Entwicklung war durch einen weiteren Bevölkerungsrückgang um 13 900 Personen oder 0,8 Prozent auf 1,693 Millionen Einwohner zum Jahresende 2006 gekennzeichnet. Maßgeblich dafür waren weitere Wanderungsverluste (8 700 Einwohner) und Geburtenausfälle. Die 2006 wieder angestiegene Geburtenentwicklung (+ 2,8 Prozent; Vorjahr: ‑ 5,3 Prozent) erreichte mit 7,5 Lebendgeborenen je 1 000 Einwohner erst wieder 61 Prozent des Niveaus von 1990. Die Zahl der Lebendgeborenen (12 700) war weiterhin beträchtlich geringer als die der Gestorbenen (17 300), sodass sich ein Geburtendefizit von 4 600 ergab.

In der Entwicklung der Verdienste im Produzierenden Gewerbe, im Handel sowie im Kredit- und Versicherungsgewerbe (Bruttomonatsverdienste der Arbeiternehmer: + 2,3 Prozent) hat sich der Abstand zum Niveau des früheren Bundesgebietes 2006 kaum verringert (70,3 Prozent Angleichung; Vorjahr: 69,9 Prozent), war aber zwischen den Wirtschaftszweigen sehr differenziert. Der Einzelhandelsumsatz ging 2006 weiter real (preisbereinigt) leicht (‑ 0,7 Prozent) zurück, während er im Bundesdurchschnitt (+ 0,1 Prozent) stagnierte.

Im Rahmen der Bautätigkeit wurden 2006 5 698 Wohnungen fertig gestellt, das waren 7,3 Prozent weniger als im Vorjahr, mit 33 Wohnungen je 10 000 Einwohner waren es aber weiterhin mehr als im Bundesdurchschnitt (30). Bestimmend für dieses hohe Niveau des Wohnungsbaus war nach wie vor die starke Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhäusern (2 998 und 492 Fertigstellungen). Die im Jahr 2006 fertig gestellten 320 neuen Nichtwohngebäude (u. a. Betriebs‑, Büro- und Anstaltsgebäude) hatten ein Bauvolumen von 255 Millionen EUR (veranschlagte Kosten: ‑ 35,0 Prozent zum Vorjahr), das waren 34,0 Prozent des gesamten Hochbauvolumens. Die Auftragseingänge des Bauhauptgewerbes haben sich 2006 erstmals seit Jahren wieder kräftig erhöht (+ 11,5 Prozent zum Vorjahr).

Die Leistungen des öffentlichen Dienstes wurden im Jahr 2006 mit 3 159 weniger Mitarbeitern (Jahresmitte ohne Bund: 80 000 Personen, darunter 63,5 Prozent Frauen) erbracht, gegenüber 2000 betrug der Rückgang 19,2 Prozent. In den Gemeinden und Gemeindeverbänden (26 863 Personen) entsprach der Personalbestand einwohnerbezogen bereits annähernd der "Personaldichte" in Westdeutschland, beim Landespersonal lag sie jedoch noch deutlich darüber.

Im Gesundheitswesen war die Zahl der Patienten im Jahr 2005 (aktuellere Angaben liegen noch nicht vor) in den Krankenhäusern (vollstationär: 383 653) real stabil, in den Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen (115 919) ist sie um 4,1 Prozent angestiegen.

Mit Inkrafttreten des "Vierten Gesetzes für moderne Dienstleistungen a Arbeitsmarkt" (Hartz IV) hat sich die Zahl der Empfänger von laufender (Sozial-)Hilfe zum Lebensunterhalt von 70 184 zum Jahresende 2004 auf 7 659 in 2005 verringert; grundsätzlich erwerbsfähige Personen erhalten seitdem bei Bedürftigkeit insbesondere Leistungen zur Grundsicherung in Form von sogenanntem Arbeitslosengeld II. In diesem Zusammenhang ist auch die Zahl der Wohngeldempfänger von 139 652 Haushalten Ende 2004 auf 36 932 Haushalte in 2005 zurückgegangen, das sind 4,4 Prozent aller Privathaushalte (Bundesdurchschnitt: 2,1 Prozent). Die Anzahl der Asylbewerber und gleichgestellter Personen belief sich 2005 auf 4 208.

An den 627 allgemein bildenden Schulen hat sich die Schülerzahl im Schuljahr 2006/07 um weitere 7,7 Prozent verringert, gegenüber dem Jahr 1991 betrug der Rückgang infolge der massiven Geburtenausfälle nach der Wende 49,5 Prozent, darunter an den Grundschulen 58,5 Prozent. Entsprechend verringerte sich auch die Zahl der Lehrkräfte sowie der Schulen.

An den 66 beruflichen Schulen ist die Zahl der Schüler im Schuljahr 2006/07 mit 66 851 um 2,0 Prozent geringer als im Vorjahr. Von ihnen lernen 64,3 Prozent an den Berufsschulen des dualen Systems (Bundesdurchschnitt 59,8 Prozent). Die Zahl der Auszubildenden verringerte sich um 2,2 Prozent auf 43 425. Die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge ging 2006 um 0,2 Prozent auf 16 277 zurück.

An den Hochschulen des Landes ist die Zahl der Studierenden im Wintersemester 2006/07 mit 34 690 erstmals seit 1990 nicht weiter angestiegen, die Anzahl der Studienanfänger hat aber um 4,3 Prozent zugenommen (2005/06: ‑ 13,0 Prozent). Im Vergleich zu 1991 hat sich die Zahl der Studierenden auf das 2,6fache erhöht und ist einwohnerbezogen inzwischen deutlich höher als in Schleswig-Holstein. Seit dem Prüfungsjahr 1992 wurden bis 2005 37 584 Abschlussprüfungen (2005: 4 273) erfolgreich abgelegt.

In der Rechtspflege ist die Zahl der erledigten Verfahren in der 1. Instanz 2006 weiter deutlich zurückgegangen, darunter bei Strafverfahren um 10,1 Prozent gegenüber 2005, bei Zivilprozesssachen um 10,5 Prozent und bei Familiensachen um 11,6 Prozent.

Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte (Kreditmarktschulden) ist 2006 insgesamt nicht weiter gewachsen, erhöhte sich je Einwohner aber bei den Staatsfinanzen um 0,3 Prozent auf 6 312 EUR (zum Vergleich Schleswig-Holstein 2005: 7 394 EUR), bei den Kommunalfinanzen ging sie um 8,4 Prozent auf 1 064 EUR je Einwohner (Schleswig-Holstein 2005: 853 EUR) zurück. Die Kreditmarktschulden des Landes sowie der Gemeinden und Gemeindeverbände in Höhe von zusammen 12,6 Milliarden EUR entsprachen 2006 38,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Mecklenburg-Vorpommerns.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Herrn Hans-Peter Hasche, Telefon 0385 4801- 4430.

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